„They are doing a very good job“

Grüne, saftige Wiesen besetzt mit glitzerndem Tau, zahlreiche Schaf- und Kuhherden auf riesigen Weiden sowie einsame Landhäuser säumen die Straße zum Dublin Airport. Die Lehrkräfte Silvia Thüroff und Tina Limmer sind auf dem Weg zurück nach Hause, in Gedanken lassen sie die Ereignisse der letzten Tage noch einmal an sich vorbeiziehen.

Ein Erasmus-Plus-Stipendium für Lehrkräfte hat es beiden ermöglicht, fünf Tage lang in der nordirischen Stadt Derry Studierende der Fachakademie zu besuchen. Neun von ihnen absolvieren dort einen Monat lang ein Auslandspraktikum, betreut und unterstützt von der Foyle Language School, in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Europabildung Berlin (GEB).

„They are great! They are doing a very good job!“ So loben die Anleiter aus verschiedenen Praxiseinrichtungen, wie „creches“ (Krippen), „nurseries“ (Vorschulen) und „primary schools“ (Grundschulen) die Studierenden aus Ahornberg. Vor Ort kommen Limmer und Thüroff mit den jeweiligen Schulleitern, Lehrern und Erziehern ins Gespräch. Alle sind begeistert von den Deutschen Praktikanten, sie erklären den Tagesablauf und die Besonderheiten ihrer Einrichtung.

Auch die Studierenden haben den Lehrkräften viel zu erzählen, von ihren Gastfamilien, dem nordirischen Leben und den internationalen Praxiserfahrungen. „Am meisten beeindruckt mich, wie respektvoll die Schüler mit Lehrern umgehen. Sie öffnen Ihnen die Türen und gehen die Treppen nur auf der rechten Seite, um Platz für die Lehrer zu lassen“, erzählt Michael Raabe, der sein vierwöchiges Praktikum in der St.Therese’s Primary School absolviert. „Es ist spannend zu sehen, wieviel Interesse die Schüler an uns und an Deutschland haben“, staunt Christina Knauer.

Als fachliche Bereicherung empfinden die Ahornberger Lehrkräfte auch das Kennenlernen anderer Praxiseinrichtungen. Ihr Interesse gilt besonderen Ansätzen wie etwa dem „Nurturing Programme“, einer aus England stammenden Philosophie, die an der Holy Family Primary School, Derry, umgesetzt wird. Übersetzt man „Nurturing“ frei, könnte man es „Seelenpflege“ nennen.

Diese Ideologie passt sich den sich stark verändernden sozialen Umständen an. Wenn schon nicht im Elternhaus, sollen die Kinder zumindest in den Schulen erleben, dass sie wertvoll sind, sich jemand in sie einfühlt und, dass Fehler erlaubt sind. Es wird in dieser Schulform nie von verhaltensauffälligen Kindern gesprochen, sondern von Kindern mit „special needs“ – besonderen Bedürfnissen.

„They are doing a very good job“

„They are doing a very good job“

Man spürt die Liebe zu den Kindern, etwa wenn Garry Matthewson, der Schulleiter der „Holy Family Primary School“, durch die Räume geht und seinen Schützlingen begegnet. Als er sich auf eine Couch im Klassenraum setzt, kommt ein Junge und flüstert ihm etwas ins Ohr. Beide grinsen sich an und der Junge drückt sich nochmal fest an Garry. „Wir haben Couches in den Klassenräumen, dass die Kinder ein Stück „Zuhause“ erfahren,“ erklärt Garry. Der Moment mit dem Jungen hat ihn augenscheinlich gerührt.

Es erwarten sie noch weitere neue Erfahrungen, wie der Besuch eines Sonderschulzentrums und das Hineinschnuppern in eine Berufsschulklasse für Nursery Assistants, vergleichbar mit der bayerischen Kinderpflegeausbildung.

Zwischen zwei Terminen fahren Limmer und Thüroff nach Grianán Ailigh, einem jahrhundertealten Wachplatz, der inmitten einer wunderschönen irischen Landschaft liegt. Solche Szenerien können die Lehrkräfte während ihres Aufenthalts nur selten genießen. Zum einen ist der Terminplan eng gesteckt, zum anderen sind viele Tage nebelverhangen und verregnet. Umso mehr freuen sich Thüroff und Limmer über den klaren, sonnendurchtränkten Morgen auf ihrem Weg nach Hause.

– Tina Limmer –

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