SCHULEN ION AHORNBERG UND KARLSBAD
Partnerschaft besiegelt, um "ein gemeinsames Haus zu bauen"
UrkundeMit einem Festakt wurde in Ahornberg kürzlich die Schulpartnerschaft zwischen den Beruflichen Schulen sowie den beiden Kommunalen Fachakademien für Sozialpädagogik und Hauswirtschaft und der Pädagogischen Fachschule mit dem Gymnasium Karlsbad geschlossen. Beide Seiten versprachen, die Partnerschaft mit Leben zu erfüllen und machten noch am gleichen Tag Nägel mit Köpfen: Drei Projekte wurden sofort in Angriff genommen.

AHORNBERG – Mit viel Herzlichkeit wurde die Karlsbader Abordnung in Ahornberg empfangen. Schulleiterin Barbara Spöttl hieß ihre Gäste mit „Dobre Dan – Srdecne vas Vitame“ im Frankenwald willkommen. Die ersten Annäherungen zwischen den Schulen gab es bei einem Informationsaustausch mit oberfränkischen und tschechischen Schulleitern vor einem Jahr.
Den Gästen aus dem Nachbarland wurden damals die Berufsfachschulen und Fachakademien in Rehau, Selb und Ahornberg vorgestellt. Direktor Josef Hruska aus Karlsbad entdeckte dabei viele Gemeinsamkeiten seiner Schule mit der von Ahornberg. Im Dezember des vergangenen Jahres war dann erstmals eine Ahornberger Abordnung im wohl berühmtesten Bäderort Tschechiens, um erste Eindrücke zu sammeln – weitere Besuche folgten. Ein weiterer Schritt der bisherigen Zusammenarbeit sei das Entwerfen eines gemeinsamen Logos gewesen, hieß es.

gemeinsames Logo Direktor Josef Hruska erinnerte an die Zeit, in der die Welt zerteilt war, „mit fast unüberwindlichen Grenzen“. Durch die Veränderungen der beiden vergangenen Jahrzehnte hätten die Menschen gemeinsam neue Wege gefunden, die einander näher brächten. „Jetzt können wir uns ein gemeinsames europäisches Haus aufbauen.“ Das Ahornberger Treffen sei eine gute Gelegenheit, sich gegenseitig kennen zu lernen, sich zu verstehen und einen gemeinsamen Weg voller Verständnis und Mitarbeit zu betreten.
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Erstes Kennenlernen beider Schulen
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Lenka Blazkova, eine Karlsbader Lehrerin mit sehr guten Deutschkenntnissen, stellte ihre Einrichtung vor. Anfänglich gab es zwei Studienfachrichtungen, Lehrerausbildung für Kindergärten und Erziehungslehre. Sie wurden durch die Fachrichtungen Vorschul- und Außerschulpädagogik sowie Humanitätstätigkeit und ein Gymnasium ergänzt. Seit einem Jahr gehört noch ein pädagogisches Lyzeum dazu. Die Schule muss insgesamt fünf Jahre besucht werden und wird mit Abitur abgeschlossen. Die Schüler, in Tschechien besuchen sie neun Jahre die Grundschule, sind zwischen 15 und 19 Jahre alt. Der Schule angeschlossen ist eine Galerie, ein Theater, eine Bibliothek und ein Mädchenchor, der auch die Feierlichkeiten in Ahornberg mit mehreren Chorbeiträgen umrahmte.
Für den stellvertretenden Landrat Klaus Adelt ist eine Partnerschaft mit Tschechien „mehr als nur billiges Benzin, billige Zigaretten und Fußballspieler aus dem Nachbarland“. „Es muss der Anfang einer guten Zusammenarbeit sein.“ Diese hätte sich schon in mehreren Projekten angedeutet.
Der Konradsreuther Bürgermeister Willi Koska stellte seine Gemeinde vor, die in ihren elf Ortsteilen insgesamt 3700 Einwohner zählt, davon 500 in Ahornberg. Koska zeigte sich beeindruckt von den tschechischen Schülern, die fast alle gut Deutsch sprechen. „Wir können nicht mal dies richtig, weil wir nur Fränkisch plaudern“, sagte Koska. Für den Geschäftsführer der Euregio Egrensis, Harald Ehm, ist diese offizielle Schulpartnerschaft ein guter Weg, um sich fachlich auszutauschen, vom anderen zu lernen und um Vorurteile abzubauen. Er gab seine Zusage, dass die Euregio Egrensis die angestrebten Projekte unterstützen wird, „damit diese Partnerschaft eine gute Zukunft hat“.
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Gemeinsames Buchprojekt
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Anschließend wurde die Partnerschafts-Urkunde von den Schulleitern Josef Hruska, Barbara Spöttl und Hermann Gesell unterzeichnet.
Nach der Mittagspause standen Rhythmus und Bewegung, die besten Mittel des gegenseitigen Kennenlernens, auf dem Programm. Anschließend gingen vier gemischte Schülergruppen in Klausur, um Vorschläge für gemeinsame Projekte einzubringen. Die Lehrer begaben sich derweil mit der Ahornberger Schulleitung auf einen Rundgang durch die Schule. Dabei waren die Karlsbader besonders von den Spezialräumen der Hauswirtschaft, den EDV- und Werkräumen sowie vom Raum für Kinder- und Säuglingspflege beeindruckt.
Janet Schönknecht von der Energieagentur in Kulmbach, zuständig für Umweltbildung in Kindergärten und an Schulen bot den Nachbarn an, auch an deren Schule Energieeinsparungspotenziale mit den „Energiedetektiven“ aus den einzelnen Klassen aufzufinden.
Groß war der Einfallsreichtum der vier Arbeitsgruppen. Dies zeigte sich bei der Vorstellung ihrer ausgearbeiteten Projektvorschläge, wie zum Beispiel gemeinsame T-Shirts mit Logo, Kunstprojekte, ein Maskottchen kreieren, ein gemeinsames Kochbuch zusammenstellen, ein Liederbuch mit Volksliedern herausgeben, oder sportliche Wettkämpfe durchführen. Das Projekt „Liederbuch“ nimmt auch schon konkrete Formen an: Das zweisprachige Buch mit Illustrationen von Schülern beider Schulen soll in einer Auflage von etwa 500 Stück erscheinen und ist für Grundschulen und Kindergärten gedacht. Bezuschusst wird es von der Euregio Egrensis. Auch erste Austausch-Maßnahmen sind schon geplant.
Die Schulleiter sind sich einig: „Wir können positiv in eine gemeinsame Zukunft schauen.“ HELMUT ENGEL

„Rhythmus und Bewegung“: Am besten lernt man sein Gegenüber bei lockeren Spielen kennen – erste Projekte sind bereits in Planung
FOTO: H.E.